Ein Trüffel wächst unsichtbar. Einige Zentimeter unter der Erde, an den feinen Wurzeln einer Eiche oder Hasel, ohne Blatt, ohne Blüte, ohne ein einziges Zeichen an der Oberfläche. Wer ihn finden will, braucht kein Werkzeug und keine Erfahrung im Sehen. Er braucht eine Nase, die besser ist als seine eigene.
Genau da beginnt die Gesichte der Trüffelhunde.
Giuli und Maxi auf den Trüffelflächen im Enzkreis.
Warum Hunde – und keine Schweine
Das Bild vom Trüffelschwein hält sich hartnäckig. Es hat einen wahren Kern: Sauen reagieren von Natur aus auf einen Duftstoff im Trüffel, der dem Sexuallockstoff des Ebers ähnelt. Sie finden Trüffel also ohne jede Ausbildung.
Nur: Sie fressen sie auch. Ein Schwein gräbt schnell, tief und rücksichtslos, es zerstört dabei das Myzel – das feine Pilzgeflecht im Boden, aus dem der Trüffel überhaupt erst entsteht. Und wer schon einmal versucht hat, einer 150-Kilo-Sau einen Trüffel wieder abzunehmen, versteht, warum die Schweinesuche in Italien seit den 1980er-Jahren verboten ist.
Der Hund hat kein Eigeninteresse am Trüffel. Er sucht, weil er dafür belohnt wird, er zeigt an statt zu fressen, er lässt sich zurückrufen, er passt ins Auto und arbeitet auch dann noch, wenn der Boden gefroren ist. Für uns auf den Trüffelflächen ist er die einzige praktikable Lösung – und die schonendste.
Der Lagotto Romagnolo: die einzige Rasse mit Trüffel im Stammbaum
Der Lagotto Romagnolo kommt aus der Romagna und war ursprünglich ein Wasserhund. Er apportierte Wasservögel aus den Sümpfen rund um Comacchio. Als diese Sümpfe im 19. Jahrhundert trockengelegt wurden, war der Job weg – und die Züchter gaben dem Hund einen neuen: die Suche nach Trüffeln.
Damit ist der Lagotto bis heute die einzige Hunderasse der Welt, die gezielt auf Trüffelsuche gezüchtet wird. Das merkt man nicht an der Nase – die haben andere Rassen genauso gut –, sondern an der Arbeitsweise: hohe Suchmotivation, aber kein Jagdtrieb auf Wild. Ein Lagotto lässt das Reh Reh sein und bleibt bei seinem Duft. Dazu kommt eine Größe, die durch Reihen und Unterholz passt, und ein dichtes, gelocktes Fell, das ihn im November nicht auskühlen lässt.
Porträt Lagotto, unsere Giuli.
Giuli und Maxi
Bei uns arbeiten zwei.
Giuli ist die Erfahrene. Braun, konzentriert, schnell. Sie liest den Boden in großen Bögen, verlangsamt dann fast unmerklich und steht plötzlich still über einer Stelle, die für uns aussieht wie jede andere. Sie hat selten unrecht. Wenn Giuli anzeigt, wird gegraben.
Maxi ist der Jüngere. Beige, begeistert, deutlich unruhiger. Er sucht mit dem ganzen Körper, prescht vor, kommt zurück, prescht wieder vor. Was ihm an Präzision fehlt, macht er an Ausdauer wett – und er lernt von Giuli mehr, als wir ihm je beibringen könnten.
Wir trainieren die beiden getrennt. Zwei Hunde in derselben Reihe bedeutet: Der eine sucht nicht mehr den Trüffel, sondern den anderen Hund. Auf der Fläche arbeiten sie deshalb nacheinander, nicht nebeneinander.
Wie ein Trüffelhund ausgebildet wird
Es ist weniger geheimnisvoll, als viele denken – und dauert länger, als die meisten hoffen.
- Prägung auf den Duft. Ganz am Anfang steht nicht der Wald, sondern beispielsweise ein Spielzeug mit Trüffelduft. Der Hund lernt: Dieser Geruch ist das Beste, was es gibt.
- Suchen statt finden. Der Duftträger wird versteckt, erst offen, dann verdeckt, dann vergraben. Belohnt wird nicht der Fund, sondern das Suchen.
- Anzeigen statt fressen. Der Hund lernt, die Stelle zu markieren und dann zu warten. Ausgegraben wird vom Menschen, mit der Hand oder einem schmalen Stecher.
- Echte Trüffel im echten Boden. Erst spät, und erst dann, wenn die ersten drei Schritte sitzen. Dabei muss es echter Trüffel sein – warum synthetisches Trüffelaroma für die Ausbildung nichts taugt, versteht jeder Hundeführer nach dem ersten Versuch.
- Das Loch schließen. Der letzte Schritt gehört nicht dem Hund, sondern uns: Jede Grabstelle wird wieder verschlossen. Ein offenes Loch trocknet das Myzel aus – und kostet uns die Ernte der nächsten Jahre.
Ein Trüffelhund ist nach ein paar Monaten einsatzfähig und nach zwei bis drei Jahren wirklich gut. Die Nase ist von Anfang an da. Was so lange braucht, ist die Zusammenarbeit.
Drei Mythen, die sich hartnäckig halten
„Trüffelhunde sind eine eigene Rasse.“ Nein. Jeder Hund mit Nase und Motivation kann es lernen – Pudel, Schäferhund, Mischling. Der Lagotto bringt nur die günstigsten Voraussetzungen mit.
„Die Hunde riechen den Trüffel durch den Boden hindurch.“ Sie riechen die Duftstoffe, die aus dem Boden aufsteigen. Deshalb ist Tag mit wenig Wind ein guter Suchtag – und ein nasser Tag, der die Düfte verstreut ein schlechter.
„Ein guter Trüffelhund findet immer etwas.“ Er findet, was da ist. An manchen Tagen ist das nichts. Das gehört dazu, auch wenn es sich für Gäste anfangs seltsam anfühlt.

Trüffelfund.
Giuli und Maxi bei der Arbeit erleben
Man kann über Trüffelhunde lesen. Interessanter ist der Moment, in dem ein Hund fünf Meter vor einem stehen bleibt, die Nase senkt und anfängt zu scharren – und man selbst noch immer nichts sieht.
Bei La Chasse aux Truffes gehen unsere Gäste mit Giuli und Maxi über unsere eigenen Trüffelflächen im Enzkreis, erleben eine echte Suche und probieren anschließend, wie frischer Trüffel wirklich schmeckt. Für Gruppen ab sechs Personen, auch als Firmenevent.
Häufige Fragen zu Trüffelhunden
Welche Hunderasse eignet sich am besten zur Trüffelsuche?
Der Lagotto Romagnolo, die einzige gezielt für die Trüffelsuche gezüchtete Rasse. Grundsätzlich kann aber jeder gesunde Hund mit guter Nase und Suchmotivation ausgebildet werden.
Wie lange dauert die Ausbildung eines Trüffelhundes?
Erste Funde nach wenigen Monaten, verlässliche Arbeit nach zwei bis drei Jahren gemeinsamer Praxis.
Warum werden heute keine Trüffelschweine mehr eingesetzt?
Weil Schweine die Trüffel fressen, beim Graben das Myzel zerstören und schwer zu führen sind. In Italien ist die Suche mit Schweinen seit den 1980er-Jahren verboten.
Kann ich meinen eigenen Hund zum Trüffelhund ausbilden?
Ja. Wichtig sind Geduld, saubere Duftprägung und ein sicheres Anzeigen statt Fressen.
Wann suchen die Hunde bei uns nach Trüffeln?
Von Juni bis in den Dezember, je nach Art. Welche Trüffelart wann so weit ist, steht im Überblick Trüffelsaison: Welcher Trüffel hat wann Saison?
Das Kostbare wächst auch im Verborgenen. Manchmal braucht es nur jemanden, der es riechen kann.